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Wittlich-Kyllburg-Daun-Manderscheid
Kyllburgs Kunstdenkmäler und Sehenswürdigkeiten
Da ist zunächst die Burg zu nennen, die durch ihre reizende Lage auf einem von der Kyll umflossenen Felsen dem schon seit Jahrhunderten zuvor durch seine hohe Lage festen Städtchen, dem „Castrum Kiliberg“ im 13. Jahrhundert seinen endgültigen Namen gab.

Kyllburg, Burgbering
An Stelle des alten Castells erbaute Erzbischof Theoderich II. von Trier im Jahre 1239 eine größere Burg, die im Jahre 1256 einschließlich der anliegenden Häuser mit einer festen Mauer umgeben wurde. Nach Umfang und Anlage hat man noch heute ein dem alten Zustand dieser ehemaligen erzbischöflichen Burg ähnliches Bild. Das im Hintergrunde gelegene Wohngebäude ist 1912 durch einen Schulhausneubau ersetzt worden. Links von diesem Neubau ist ein rundbogiges Tor, das alte Mühlenpförtchen, durch das man von der Burg zur Mühle im Tale gelangte, die seit vielen hundert Jahren mit der Geschichte des Städtchens aufs engste verknüpft ist. Fast 150 Jahre ist sie heute Eigentum der Familie Zahnen. Ein links im Vordergrunde dem Burgturm gegenüberliegendes Wirtschaftsgebäude vom Jahre 1764, außen der Rundung des Hügels folgend, Ist während des letzten Krieges so zerstört worden, daß es von Grund auf wird neu hergerichtet werden müssen. Von der Burganlage aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ist der 1910 instand gesetzte und zugänglich gemachte interessante und wertvolle Turm erhalten. Im Zuge der Ringmauer gelegen, hatte der Burgfried die Straße zu sichern. Er ist fünfgeschossig und ohne das neue Dach 23,70 m hoch, besitzt heute einen bequemen Treppenaufgang und bietet vom neuen Dachgeschoß aus, das nach allen Seiten hin mit Aussichtsfenstern versehen ist, über den Ort und das Kylltal eine herrliche Aussicht.
Rechts neben dem Turm hinter einer hohen Rampe liegt die ehemalige Stallung, später Schule, dann Jugendherberge, jetzt Wohngebäude.
Kyllburgs bedeutendstes Bauwerk ist seine altehrwürdige Stiftskirche.

Stiftskirche
Den Bau dieser Kirche begann im Jahre 1276 der Erzbischof Heinrich II. von Trier. Mit der Stiftskirche zugleich gründete der Erzbischof ein Kollegiatstift zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria, für das er die Kanoniker von auswärts herbeiholte.
Die Kirche hat den Unbilden der Witterung und den Stürmen einer, vielbewegten Zeit durch Stiftskirche Jahrhunderte hindurch standgehalten und blieb trotz der Zerstörungssucht fremder Kriegsvölker erhalten. Sie ist eines der wenigen prächtigen kirchlichen Bauwerke, die einst der alten Trierer Erzdiözese zur Zierde gereichten, ein Monument des Mittelalters, zu dem Kyllburg mit berechtigtem Stolz aufschaut. Die Kirche ist ein großartiger einschiffiger Bau und ein Meisterwerk frühgotischer Baukunst. Als Baumeister wird der Zisterziensermönch Heinrich genannt. Sie ist nach einheitlichem Plane angelegt, aber in Abschnitten erbaut, zunächst die Chorhalle, später das kühn in seiner Konstruktion gehaltene Schiff mit dem Turm, das Kapitelhaus und der in seiner Architektur einfache und schöne Kreuzgang. Der an Ort und Stelle genommene Sandstein ist sowohl als Bruchstein wie als Haustein zum Bau verwendet. Ein hohes Satteldach deckt den einschiffigen Bau. Im Innern der Kirche sind beachtenswert die schönen Schlußsteine, die Portale der Kirche, die sehr interessanten Nischeneinbauten aus den ersten Baujahren (Piscina und Dreisitz), ein Wandtabernakel des 15. Jahrhunderts. An Stelle des ursprünglich vorhandenen Steinaltars ist später ein Barockaltar und 1877 der jetzige neugotische Altar getreten. In seiner
Mitte thront noch heute die hervorragendste Hauptzierde des ursprünglichen Hochaltars, das schon früh hochverehrte Gnadenbild Unserer Lieben Frau von Kyllburg.
Ein besonderes Interesse dürfen noch beanspruchen: an der Nordwand des Schiffes ein großer Steinaltar aus dem Jahre 1629, das Chorgestühl des 14. Jahrhunderts, eine handwerklich gute Arbeit, wahrscheinlich aus dem Kloster St. Thomas a. d. Kyll stammend, ferner die Kanzel des 18. Jahrhunderts in den Formen des späten Rokoko, zwei Beichtstühle vom Ende des 18. Jahrhunderts, die Orgelempore, die um 1745 eingebaut wurde, Kruzifixus um 1400, 1,85 m hoch, die Steinfigur einer Muttergottes, das unbekleidete Kind säugend, um 1600 (jetzt im Kreuzgang), sowie sechs Grabsteine des 14. bis 16. Jahrhunderts, heraldisch, genealogisch und kostümkundlich sehr wertvoll.
Die wertvollsten Ausstattungsstücke der Kirche sind aber die herrlichen Glasmalereien im Hauptchor. Diese fünf Fenster der flandrisch-kölnischen Frührenaissance, gemalt um 1529/30, gehören zu den besten Stücken aus der Glanzperiode der Glasmalerei; sie sind im Regierungsbezirk Trier die einzigen, die noch in ihrer ursprünglichen Anzahl vorhanden sind und vorteilhaft den Eindruck der gotischen Baukunst heben. Die Orgelbühne in Kyllburger Sandstein über dem Westportal dürfte erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts errichtet worden sein. Die Orgel im Rokokostil ist offenbar für eine andere Kirche angefertigt und später in die Stiftskirche übertragen worden. Im Winkel zwischen Chor und Kreuzgang liegt der ehemalige Kapitelsaal, jetzt „alte Sakristei“ genannt, die einen Schatz alter liturgischer Gewänder birgt, und das Kapitelhaus. Letzteres, jetzt Küsterwohnung, ist ein interessanter kleiner Bau, der im wesentlichen noch den alten Zustand zeigt.
Der Kirche in der üblichen Weise südlich vorgelegt ist der Kreuzgang mit einer Anzahl von Grabsteinen und Epitaphien. Durch Witterungseinflüsse hat der Kreuzgang stark gelitten, so daß er dringend der Instandsetzung bedarf.
In der Umgebung der Kirche lag die sogenannte Stiftsfreiheit; sie war durch Kanonikatsgebäulichkeiten und Gärten sowie durch Mauern und mit einem Torturm als Eingang, der die Inschrift „Stiftsfreiheit“ trug, eingeschlossen. Das Tor wurde um die Mitte des 18. Jahrhunderts abgebrochen. Der Inschriftstein mit dem Wort Stiftsfreiheit nebst einem Adler sind in der Umfassungsmauer des Pastorats eingemauert.
Auf dem Gebiete der Stiftsfreiheit liegt etwas erhöht die ehemalige Gerichtsstätte. Der Ort ist gekennzeichnet durch eine etwa 3 m hohe schlanke Rundsäule, die 1786 renoviert wurde. Heute dient diese Stätte einer Kriegerehrung der Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges.
Bis gegen Ende des 2. Weltkrieges besaß Kyllburg noch eine zweite Kirche, die St.-Maximin-Kirche (Stadtkirche oder Unterkirche genannt). Sie wird bei der Inkorporation in die Stiftskirche im Jahre 1304 erstmalig genannt und war bis nach der Auflösung des Stiftes im Jahre 1802 die Pfarrkirche. Am 2. 1. 1945 wurde diese Kirche durch einen Bombenvolltreffer vollständig zerstört. Eine neue St.-Maximin-Kirche Ist auf der gleichen Stelle im Rohbau bereits erstellt; ein neben dem Kirchenbau seitlich gestellter gewaltiger Turm gibt dem Ganzen sein Gepräge.

Kyllburg, Teilansicht mit der neuen St. Maximinkirche
Der Kirchenneubau aus Kyllsandstein fügt sich harmonisch in das Kyllburger Orts- und Landschaftsbild ein und bereichert und verschönert das Gesamtbild Kyllburgs noch wesentlich.
Auf dem Berge über der neuen Kirche steht seit 1885 die Mariensäule und die Muttergottes schaut segnend ins Tal hinab, schaut hinab auf einen Ort, dessen Bewohner gewillt sind, den ererbten Besitz, Stadt- und Landschaftsbild zu erhalten und das Neue ihm glücklich einzufügen, blickt hinab auf das romantisch gelegene Eifelstädtchen Kyllburg.

Mariensäule
Gar vieles ließe sich noch sagen, was den Kunstfreund interessiert. Der für diese Betrachtung zur Verfügung stehende Raum ließ es aber nicht zu, die kunstgeschichtlich wertvollen Sehenswürdigkeiten eingehender zu behandeln und auf sie alle einzugehen; es konnten nur die wichtigeren hier herausgestellt werden. Ausführlich und sachkundig sind die Kyllburger Kunstdenkmäler und Sehenswürdigkeiten vorzüglich in den Werken „Kyllburg und seine kirchlichen Bauwerke des Mittelalters“ von Dr. Franz Bock und „Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg“ von Ernst Wackenroder beschrieben worden.
Karl Föst, Kyllburg